Starkes Hannover - Kraft für die Zukunft
2. Global denken – lokal handeln!
Ich habe davon gesprochen, dass sich unsere Gesellschaft und auch unsere Städte in einer Umbruchsituation befinden. Durch welche Trends ist dieser Umbruch gekennzeichnet? Ich glaube, es gibt im Wesentlichen drei Entwicklungen, die unser Leben in den nächsten Jahren und Jahrzehnten prägen werden: die Globalisierung, die Bevölkerungsentwicklung, die Folgen der Zuwanderung.
Da ist zunächst einmal die vielbeschworene Globalisierung. Es führt kein Weg darum herum, dass es immer mehr einen einheitlichen globalen Markt für Produkte, für Kapital und letztlich auch für Arbeit gibt. Wir sollten übrigens als Export-Weltmeister diese Entwicklung nicht nur kritisch beäugen, wir verdanken ihr auch einen Gutteil unseres Wohlstands. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Auswirkungen der Globalisierung uns vor schwierige Aufgaben stellen. Seit vielen Jahren sind Arbeitsplatzverluste im produzierenden Gewerbe zu verzeichnen und dort besonders bei Tätigkeiten, die keine besondere Qualifikation benötigen. Der Kern des Wohlstands in unserem Land und auch in unserer Stadt ist und bleibt aber am Ende auch eine industrielle Produktion. Deswegen werden wir uns intensiv um eine zukunftsfähige Industrie in Hannover bemühen müssen. Die Diskussionen bei VW oder Conti zeigen, dass uns dabei nichts in den Schoß fallen wird.
Der zweite wesentliche Trend für unsere Zukunft ist aus der Bevölkerungsentwicklung abzulesen. Es ist richtig, dass wir in den nächsten zehn Jahren mutmaßlich in Hannover weiter stabile Bevölkerungszahlen haben werden. Aller Voraussicht nach wird sich danach aber eine spürbare Veränderung ergeben. Die geburtenschwachen Jahrgänge kommen, und wenn sich nichts Wesentliches ändert, bleiben sie uns dauerhaft erhalten. Wie eine Gesellschaft funktioniert, in der immer weniger junge Menschen leben und immer mehr ältere, das ist eine der anspruchvollsten Aufgaben, die sich für die Politik in den nächsten Jahrzehnten stellen wird.
Und damit bin ich bei der dritten Entwicklung, die meiner Meinung nach die Zukunft prägen wird, dem Thema Migration und Integration. Schon heute leben in Hannover mehr als 100.000 Menschen, deren Familien oder die selbst aus anderen Ländern zugewandert sind. Das ist für sich genommen eine kleine Großstadt und macht deutlich, wie sehr unser Leben in Hannover heute schon von unterschiedlichen Kulturen geprägt ist. Dieses Thema wird voraussichtlich noch viel wichtiger werden. In Frankfurt oder Stuttgart stammt schon heute eine Mehrheit der Neugeborenen aus Familien mit Migrationshintergrund. In Hannover sind es noch etwas mehr als 40 Prozen, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir auch in unserer Stadt eine Mehrheit der Neugeborenen mit einem anderen als einem deutschen kulturellen Hintergrund zu verzeichnen haben. Bei den damit verbundenen Fragen geht es nicht nur um die Bewahrung des sozialen Friedens, auch wenn schon das Herausforderung genug ist. Es geht um viel mehr: Wir sind auf die Talente und Fähigkeiten aller jungen Menschen, aus welchen Familien auch immer sie stammen, in der Zukunft mehr denn je angewiesen. Nur so werden wir eine der führenden Volkswirtschaften bleiben.
Diese drei überragenden Herausforderungen Globalisierung, Bevölkerungsentwicklung, Zuwanderung - stellen sich im Prinzip überall in Europa und in Deutschland gleich, und natürlich auch in Hannover. Ich rede bewusst von Herausforderungen und nicht von Problemen, denn der Blick in die Zukunft soll uns nicht blockieren, frei nach Karl Valentin: Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie mal war
Dieser Ausblick muss uns mobilisieren, gerade auch auf der kommunalen Ebene. Die Bertelsmann-Stiftung spricht von der Glokalisierung, die jetzt notwendig ist. Mir scheint ein anderes Motto näher zu liegen.
Als vor 15 oder 20 Jahren die übrigens unvermindert aktuellen Umweltthemen diskutiert worden sind, da lautete das Motto: Global denken lokal handeln! Und wir haben das auch getan. Klimaschutz ist ein Thema, das Rot-Grün in den vergangenen Jahren besonders ernst genommen hat. Die Stadtwerke sind ein Vorzeigeunternehmen für ökologische Verantwortung und der Kronsberg ein Vorzeigestadtteil für ökologisches Bauen. Mit diesem Engagement werden wir nicht nachlassen, da empfehle ich einen Blick in den Entwurf unseres Wahlprogramms.
Aber ich finde, wir müssen uns dieser Aufforderung mit einer erweiterten Perspektive stellen. Ob es um ökologische Belange, ökonomische Herausforderungen oder kulturelle Entwicklungen geht wir müssen in der Lage sein, über unsere Stadtgrenzen hinauszudenken, wenn wir inner-halb unserer Stadt die richtigen Antworten geben wollen. Global denken lokal handeln wenn es eine Überschrift für unsere Politik in den nächsten Jahren gibt, dann haben wir damit das richtige Motto gefunden.
