Starkes Hannover - Kraft für die Zukunft
3. Bildung ist das Schlüsselthema für die Zukunft
Das richtige Motto genügt nicht, wir müssen auch die richtigen Schwerpunkte setzen. Und der vielleicht wichtigste Schwerpunkt aus meiner Sicht heißt Bildung. Warum? Weil Bildung für mich die einzig richtige Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung und der Demographie gleichermaßen ist. Wir sehen immer deutlicher, dass die Chancen der einzelnen Menschen auf dem Arbeitsmarkt von ihrer Qualifikation abhängig sind. Menschen, die in unserem Bildungssystem allzu oft durch den Rost fallen, haben anschließend extrem schlechte Perspektiven in unserer Gesellschaft. Und umgekehrt, wer über eine hohe Qualifikation verfügt, der muss sich um seine Zukunft tendenziell deutlich weniger Sorgen machen. Das ist schon heute so, erst recht aber dann, wenn künftig bei uns eher weniger Menschen eher mehr leisten müssen. Dann ist es nicht nur eine Frage des individuellen Fortkommens, sondern des Fortkommens unserer gesamten Gesellschaft, dass die notwendige Qualifikation und die notwendige Bildung vorhanden sind. Und ganz nebenbei ist Bildung auch die Grundlage für Demokratie, für gesellschaftliche Teilhabe und für Integration. Wenn wir es erst geschafft haben, dass in Hannover nicht nur mehr als 40 Prozent aller deutschen Jugendlichen, sondern auch aller Jugendlicher aus Zuwandererfamilien das Abitur machen, dann müssen wir uns um deren Integration kaum noch Sorgen machen.
Bildung, das ist eine riesengroße gesamtgesellschaftliche Aufgabe, wobei insbesondere auch der Bund und vor allem auch das Land noch viele Hausaufgaben erledigen müssen. Es gibt aber auch ganz entscheidende kommunale Handlungsfelder.
Das fängt bei der Förderung von Kindern an. Wir werden bis zum Jahr 2008 in Hannover 750 neue Krippen- und Krabbelplätze für die 0-2jährigen schaffen. Das ist ein richtiger Kraftakt. Wir haben uns dafür aber auch entschieden, weil wir uns bewusst sind, dass Förderung umso nachhaltiger ist, je früher sie einsetzt. Hannover soll die erste westdeutsche Großstadt sein, die eine Versorgungsquote von 20 Prozent für die 0-2jährigen anbietet das ist unser Ehrgeiz.
Wir haben angefangen, die Sprachförderung in den Kindertagesstätten deutlich zu forcieren, und zwar vor allem durch eine aktive Einbeziehung der Eltern. Wenn es gelingt, dass nicht nur in der Kita, sondern auch zu Hause die Sprachförderung der Kleinen stattfindet, dann ist viel gewonnen. Alle Kinder, die in Hannover eingeschult werden, sollen im Unterricht vom ersten Tag an auch tatsächlich folgen können das ist unser Ziel!
Wir wollen, dass noch mehr Schulkinder über den Unterricht hinaus betreut und in ihrer Freizeit gefördert werden. Auch da geht es um mehr als individuelle Förderung. Es geht um aktive Integrationspolitik. Kinder müssen von Anfang an lernen, gemeinsam aufzuwachsen und gemeinsam zu leben. Der Kriminologe Christian Pfeiffer nennt das die Geburtstagsfrage. Wenn sich Kinder mit einem unterschiedlichen Hintergrund gegenseitig zum Geburtstag einladen, dann sind nachweislich gute Voraussetzungen für ihr späteres persönliches Fortkommen geschaffen. Deswegen werden wir in Hannover über die traditionellen Hortangebote hinaus daran arbeiten, dass Betreuungsangebote nach der Schule an der Schule möglich sind.
Das gilt übrigens nicht nur für Grundschulkinder. Ich habe es bei meinen Besuchen in Jugendeinrichtungen nicht nur einmal erlebt, dass auf meine Frage, aus welchen Nationen die Besucher kommen, geantwortet wurde: Alle, mit Ausnahme einer. Diese eine Nation sind Jugendliche aus deutschen Elternhäusern. Das ist dann das Gegenteil von Integration, daran muss gearbeitet werden.
Einen Schwerpunkt auf die Förderung von Kindern und Jugendlichen zu legen, ist auch die Grundlage für eine aktive kommunale Familienpolitik. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat in einem sozialdemokratischen Programm seit vielen Jahren aus guten Gründen einen festen Platz. Wir wollen, dass Frauen die Möglichkeit haben, sich selbst zu entscheiden, wie sie leben wollen. Wir wollen, dass Arbeit und Familie keine Gegensätze, sondern eine Ergänzung sind. Das ist eine große Aufgabe, die sich aber nicht nur dem Staat und der Stadt stellt. Auch die Unternehmen sind in der Pflicht, auch im wohlverstandenen eigenen Interesse. Wir haben in Hannover ein gutes Beispiel bei dem Unternehmen Solvay. Dort ist vor einigen Jahren ein Betriebskindergarten eingerichtet worden, der sich großer Beliebtheit erfreut. Nicht nur bei den Mitarbeiterinnen, sondern vor allen Dingen auch bei der Geschäftsführung, denn es rechnet sich, wenn qualifizierte Mitarbeiterinnen nach der Geburt ihres Kindes wieder die Möglichkeit haben, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren. An diesem Beispiel möchte ich anknüpfen und in den nächsten Jahren konsequent bei den hannoverschen Unternehmen dafür werben, sich auch selbst bei der Kinderbetreuung zu engagieren.
