Starkes Hannover - Kraft für die Zukunft
5. Die wachsende Stadt
Wenn wir über die zentrale Bedeutung von Bildung und Ausbildung sprechen, dann haben wir gleichzeitig auch eine zentrale Frage der Stadtentwicklung insgesamt angesprochen. Wir stehen vor wirklich spannenden Zeiten, was die Zusammensetzung und den Umfang unserer Bevölkerung in Deutschland angeht. Es gibt viele Prognosen über Deutschland im Jahre 2050. Sicher scheint zu sein, dass es einige Regionen in Deutschland geben wird, die werden weiterhin prosperieren: München, Stuttgart, Hamburg, um nur einige zu nennen. Einig sind sich die Auguren auch darin, dass gravierende Bevölkerungsverluste in Ostdeutschland, im Ruhrgebiet, aber auch im mittleren Teil Deutschland kaum zu vermeiden sein werden, mit allen daraus resultierenden Konsequenzen. Und dann so sagen die Prognosen gibt es einige Regionen in Deutschland, da ist noch nicht entschieden, in welche Richtung die Reise gehen wird, da ist noch nicht klar, ob Wachsen oder Schrumpfen die Zukunft prägen wird. Und zu diesen Regionen zählt auch Hannover.
Das heißt nichts anderes, als dass wir es selbst in der Hand haben, welche Entwicklung unsere Stadt und die ganze Region nehmen wird. Für mich ist dabei völlig eindeutig, welche Richtung unsere Stadtentwicklung nehmen soll. Ich bin entschieden für eine Wachstumsstrategie.
Wachstum ist für unsere Volkswirtschaft unabdingbar, wenn wir unseren Wohlstand erhalten wollen. Wachstum ist zwingend notwendig, wenn neue Arbeitsplätze geschaffen werden sollen. Wachstum ist auch eine unabdingbare Voraussetzung für eine soziale Stadt, denn die Unterstützung von Menschen in unserer Stadtgesellschaft, die auf unsere Hilfe angewiesen sind, ist in einem florierenden ökonomischen Umfeld viel leichter als einer Krisenregion. Und schließlich tun wir uns alle miteinander leichter in einer Stadt, in der alle Generationen vertreten sind und die Älteren nicht den Eindruck gewinnen müssen, sie seien zunehmend unter sich.
Ich weiß natürlich, dass es auch die Diskussion darüber gibt, ob Schrumpfungsszenarien nicht auch ihren Charme haben. Ich glaube, ein Blick in Richtung der neuen Länder zeigt sehr deutlich, dass die damit verbundenen Probleme deutlich größer sind als die Chancen. Und deswegen bleibe ich dabei: Lasst uns unsere Kräfte bündeln, damit künftig mehr Menschen in Hannover leben und arbeiten werden anstatt weniger.
Es gibt zahlreiche kommunale Handlungsfelder, die für eine solche Strategie der Stadtentwicklung eingesetzt werden können. Das gilt z. B. für die Flächenpolitik: Wir haben in Hannover noch eine ganze Reihe von potenziellen Wohnflächen, die in attraktiver Lage entwickelt werden können. Das gilt für die Wasserstadt in Limmer genauso wie für die Umwandlung der Fläche des Oststadtkrankenhauses nach dessen Zusammenlegung mit dem Krankenhaus Siloah. Unsere Stadtbaurätin Uta Boockhoff-Gries hat vor einiger Zeit die Perspektiven deutlich gemacht, die das Thema Wohnen am Wasser in Hannover in sich birgt. Ich glaube, uns selbst ist vielfach noch nicht klar, dass Hannover erstaunlich viele Uferzonen aufweist und gerade in diesen Bereichen noch sehr attraktive Wohnlagen entstehen können.
Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Gewerbeflächen. Hier haben wir noch eine ganze Reihe von Reserven, gerade auch bei recycelten Flächen wie dem Hauptgüterbahnhof, dem Hanomag-Gelände oder auch auf früheren Militärflächen. Wir haben in Hannover noch viel Platz für Arbeitsplätze.
Wenn wir dem Leitbild einer wachsenden Stadt folgen wollen, dann reicht es aber nicht, nur über Flächen nachzudenken. Es ist schon spannend, dass zunehmend von einer Renaissance der Städte gesprochen wird, und wir können auch in Hannover so etwas wie einen Trendwechsel verfolgen. Nachdem über lange Zeit hinweg das Wohnen im Umland, am besten noch mit Stadtbahnanschluss in die City, im Vordergrund des Interesses stand, wechseln ganz langsam die Vorzeichen. Das gilt nicht nur für junge Menschen, die noch keine Familie gegründet und schon immer eine pulsierende Stadt bevorzugt haben. Das gilt für Ältere, die feststellen, welche Vorzüge ein Leben bieten kann, das alle Angebote in einer erreichbaren Entfernung vorhält. Und das wird zunehmend für junge Familien gelten, die im Laufe der Zeit immer stärker feststellen werden, dass die Städte mit einem Umbau ihrer Infrastruktur infolge des demographischen Wandels deutlich leichter fertigwerden können als die Fläche. Mit anderen Worten: Wir werden in Hannover ein attraktives, differenziertes Angebot für Kinderbetreuung und Schule auch dann noch vorhalten können, wenn anderswo die Schulwege immer länger werden.
Womit Hannover noch mehr als andere große Städte wuchern kann, das ist Lebensqualität und Freizeitwert. Unsere Stadt ist eine grüne Stadt: die Eilenriede, die Parks, die großen Kleingartenflächen prägen wirklich das Bild unserer Stadt. Hannover ist und bleibt eine Veranstaltungshochburg. Wir haben dafür eine großartige Infrastruktur, nicht zuletzt durch die AWD-Arena, die TUI-Arena, die Parkbühne oder auch den Pavillon. Unsere Stärke besteht darin, dass ganz unterschiedliche Gruppen Freizeit und Kultur in Hannover genießen können. Das Maschseefest ist inzwischen das drittgrößte Open-Air-Ereignis in Deutschland und spricht ganz andere Menschen an als Herrenhausen. Herrenhausen hat, so glaube ich, noch nicht das Ende seiner Möglichkeiten in kultureller Hinsicht erreicht und ist vor allem ein großartiger Standort für hochwertige klassische Konzerte. Schauspielhaus und Oper gehören zu den profiliertesten deutschen Bühnen. Und um auch das hinzuzufügen: Hannover ist bekannt als Hauptstadt des Jazz und als Hochburg der Rockmusik. Masala, das Festival für Weltmusik, entwickelt sich großartig. Woran wir arbeiten müssen und arbeiten werden, ist aber auch, der modernen Popmusik in Hannover einen Resonanzboden anzubieten. Junge Leute, die hier leben, sollen hier auch ihre Musik hören können.
Ähnliche Qualitäten, vielleicht noch bessere, haben wir im Bereich der modernen Kunst anzubieten. Wir machen uns selbst zuwenig klar, dass das Sprengel Museum, die Kestner-Gesellschaft und der Kunstverein gemeinsam ein Zentrum der modernen Kunst bilden, das bundesweit in der Spitzengruppe mitspielt. Es gibt also mehr als genug Gründe, diesen Schatz noch stärker strahlen zu lassen als bislang. In diesem Zusammenhang werde ich auch hart dafür arbeiten, den dritten Bauabschnitt des Sprengel Museums vom Wunschtraum zur Realität werden zu lassen. Dafür müssen alle an einem Strick ziehen die Stadt, das Land und auch wichtige Teile der Wirtschaft. Ich bin da ganz zuversichtlich, denn in vielen Gesprächen ist mir deutlich geworden, dass die Bereitschaft vorhanden ist, gemeinsam mehr für den gemeinsamen Standort zu tun, wenn die Perspektive klar ist.
Wenn ich über Lebensqualität und Freizeitwert spreche, wenn es darum geht, auch Projekte zu entwickeln, die Hannover nach außen noch attraktiver machen, dann ist das kein Selbstzweck. Es führt kein Weg darum herum, unsere Stadt befindet sich in einem knallharten Wettbewerb mit anderen Städten und Regionen. Da geht es um Unternehmen, die Arbeitsplätze bereitstellen und Steuern zahlen sollen. Da geht es um Bevölkerung, die zur sozialen Symmetrie in einer Stadt beitragen soll, da geht es um Kaufkraft, die sich in dem Oberzentrum Stadt Hannover bündeln soll. Hannover ist die Einkaufsstadt Nr. 1 in Niedersachsen. Wir wollen diesen Rang nicht nur halten, wir wollen ihn ausbauen.
Unsere Stadt kann diesen Wettbewerb nicht alleine bestehen. Wir sind auf unser Umland ebenso angewiesen wie unsere Nachbarn auf die Stadt Hannover. Deswegen ist mein
Hauke Jagau und ich haben vor wenigen Wochen sehr klar zum Ausdruck gebracht, wie wir uns das vorstellen. Wir schlagen eine Hannover AG vor, in der die Stadt Hannover und die Region Hannover ihre wirtschaftspolitischen Aktivitäten bündeln und gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft vorantreiben. Es handelt sich dabei um den wohl weit reichendsten Ansatz einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik in einem Raum, der bislang in Deutschland diskutiert worden ist. Wir meinen es damit sehr ernst, wir wollen eine Wirtschaftspolitik von Stadt und Region aus einer Hand und in einem Guss. Hauke Jagau und ich sind überzeugt davon, dass das der richtige Ansatz für eine Wirtschaftspolitik ist, die für sich in Anspruch nehmen kann, wirklich zukunftsweisend zu sein. Und vielleicht haben wir auch sehr klar damit zum Ausdruck gebracht, dass wir uns als Team verstehen, dass der künftige Oberbürgermeister und der künftige Präsident der Region Hannover entschlossen sind, an einem Strick zu ziehen, und zwar in dieselbe Richtung.
Das Bekenntnis zur Region Hannover heißt nicht, unser Denken würde an den politischen Gren-zen der Region aufhören. Die Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen ist ein wirklich wichtiges Zukunftsthema, denn aus europäischer Perspektive ist schon die Region Hannover ein viel zu klein gedachtes Gebilde. Aus europäischer Perspektive konkurriert der Wirtschaftsraum Hannover mit denjenigen von Glasgow, Bordeaux und Prag. Und zu diesem Wirtschaftsraum gehört der südliche Teil Niedersachsens genauso wie der östliche. Unsere Aufgabe wird sein, diese prinzipiell richtigen Gedanken in den nächsten Jahren Zug um Zug in praktische Konzepte umzumünzen. Ich finde, der Bereich der Kultur zeigt schon einmal, wie es funktionieren könnte. Wenn das Festival Theaterformen jetzt mit einer neuen, attraktiveren Konzeption in Hannover und Braunschweig an den Start geht, ist das ein gutes Beispiel. Ich bin übrigens überzeugt davon, gerade die großen Städte müssen die Treiber der Metropolregion sein, und auch deswegen habe ich mir vorgenommen, meinen Teil dazu beizutragen, dass das zugegebenermaßen etwas verkrampfte Verhältnis zwischen den beiden größten Städten in Niedersachsen in eine produktive Zusammenarbeit verwandelt wer¬den kann. Wir haben noch große Chancen, die wir gemeinsam nutzen können, wenn wir es denn wollen.
