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Starkes Hannover - Kraft für die Zukunft

Kapitel 6 der Rede vom 11. März 2006

6. Stadt der guten Nachbarn

Über Chancen im wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Kontext zu sprechen, das wäre unvollständig ohne einen Blick auf die Basis des Zusammenlebens einer Stadt. In einer Halbmillionenstadt wie Hannover leben die unterschiedlichsten Menschen zusammen, verschiedene Generationen, unterschiedliche Kulturen und soziale Milieus. Unsere Aufgabe ist es, dass sich bei aller Unterschiedlichkeit alle Menschen in Hannover zu Hause fühlen können, und das heißt: dass sie sich geborgen fühlen können.

Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen unserer weiteren Stadtentwicklung. Unsicherheit prägt die wirtschaftlichen Perspektiven vieler Menschen, die um ihren Arbeitsplatz fürchten oder nicht wissen, wo sie nach der Ausbildung eine Arbeit finden sollen. Unsicherheit ist auch die Folge der unbestreitbaren Tatsache, dass sich fest gefügte soziale Milieus teilweise aufgelöst haben und deswegen viele Menschen auf der Suche nach der Gruppe sind, der sie sich wirklich zugehörig fühlen können.

Es gibt, das ist das Ergebnis vieler meiner Begegnungen in den letzten Monaten, ein sehr, sehr großes Bedürfnis nach Gemeinschaft in Hannover, zugleich aber auch eine Verunsicherung, wie wir diese Gemeinschaft denn herstellen können.

Wenn es etwas gibt, worauf Hannover besonders stolz sein kann, dann ist es bestimmt die soziale Tradition unserer Stadt. Wenn ich höre, dass Hannover im Städtevergleich für Menschen mit Behinderungen einen Vorbildcharakter hat, freue ich mich. Wenn aus dem Bereich der Drogenhilfe berichtet wird, Hannover verfüge über ein besonders gutes Hilfesystem, dann ist das ein sehr gutes Zeichen. Und wenn ich aus dem Bereich des Studentenwerks höre, überall gebe es Probleme, für Studierende mit anderer Hautfarbe Wohnraum zu finden, nur nicht in Hannover, dann bin ich stolz auf meine Stadt. Ich bin darauf stolz auch als ein Sozialdemokrat, dessen Partei seit langem in Hannover in der Verantwortung steht. An diesen Ergebnissen kann man uns erkennen.

Worauf es jetzt ankommt ist, soziale Politik den gewandelten Bedingungen anzupassen und die richtigen Schwerpunkte zu definieren. Es bleibt dabei, Menschen, die die besondere Unterstützung der Gemeinschaft benötigen, die sollen sich in unserer Stadt zu Hause und als Teil der Stadtgesellschaft fühlen können. Wir müssen aber darauf aufbauen und verstärkt eine neue Aufgabe in das Blickfeld aller unserer Anstrengungen nehmen, nämlich Netze zu knüpfen und Menschen miteinander in Kontakt zu bringen. Es gibt dafür ein gutes Beispiel, das wir in den nächsten Jahren fortsetzen werden. Das Programm „Soziale Stadt“ hat in Vahrenheide, Hainholz und Mittelfeld zu bemerkenswerten Fortschritten geführt. Es geht in vielen Fällen darum, dass Menschen ihre Interessen selbst in die Hand nehmen und miteinander arbeiten. Wenn man so will, es geht weniger um neue Bauten, es geht mehr um den Aufbau von verlässlichen zwischenmenschlichen Beziehungen in den Stadtteilen. Das ist es, was ich damit meine, wenn ich Hannover als „Stadt der guten Nachbarn“ sehen möchte. Alle Vorzüge unserer Infrastruktur, unserer Lage, unseres Freizeitwerts nützen uns nichts, wenn das soziale Klima in unserer Stadt nicht stimmen sollte. Die Menschen, die in Hannover leben, sollen sich in unserer Stadt zu Hause fühlen, sie sollen sich in ihrer Heimat Wohlfühlen.

Deswegen hat Stadtteilpolitik für mich einen wirklich hohen Stellenwert. Es ist unbestreitbar so, dass vom Rathaus aus die örtlichen Verhältnisse in den einzelnen Stadtteilen nun einmal weder am besten beurteilt noch am besten beeinflusst werden können. Und ich habe auch gar nicht das Ziel eines allwissenden, eines omnipotenten Rathauses. Mir geht es darum, dass wir vom Rathaus her die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Menschen in den Stadtteilen möglichst selbst und eigenverantwortlich die sie betreffenden Angelegenheiten regeln und ihre Gemeinschaft bilden. Deswegen werde ich eine Veränderung in der Stadtverwaltung herbeiführen und ein wirksames Stadtbezirksmanagement installieren, das nach innen die unterschiedlichen Aktivitäten der Stadtverwaltung koordinieren und nach außen als verlässlicher Ansprechpartner für die Stadtteil zur Verfügung stehen wird. Und deswegen bin ich auch bereit, die Kompetenzen der Stadtbezirksräte zu erweitern. Die Repräsentanten der Stadtbezirksräte sollen mehr Verantwortung für Angelegenheiten ihrer örtlichen Gemeinschaft haben. Mehr Verantwortung heißt übrigens nicht nur mehr Rechte, es heißt auch mehr Pflichten. Deswegen warne ich vor Blütenstaub: Nur Nektar zu schlürfen und mehr Kompetenzen einzufordern, wird nicht funktionieren, auch die Last unbequemer Entscheidungen wird nach unten zu delegieren sein. Ich bin allerdings sicher, dass dies dazu beitragen wird, auch die Bedeutung der Stadtbezirke insgesamt stärker hervorzuheben und auch für die Menschen in den Stadtteilen sehr viel klarer hervortreten zu lassen, dass dort Dinge geregelt werden, die für sie selbst sehr wichtig sind. Um es zusammenzufassen: Wir sollten mehr kommunale Demokratie wagen, gerade auch in den Stadtteilen.



 

 
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